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Zehn Bild-Meditationen zum Beginn der zehner Jahre:

Das Jahrzehnt des Bewusstseinswandels

1. Am Übergang

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Gut, so beinahe schon hysterisch spektakulär wie der letzte Jahrzehntwechsel kann dieser gar nicht werden – schliesslich galt es damals, einen Jahrhundert- ja gar Jahrtausend-Wechsel zu feiern. Nichtsdestotrotz ist es schon erstaunlich, dass nur wenige bemerkt haben, dass die nuller Jahre vorbei sind und die zehner beginnen.

Zum Glück gibt es den SPIEGEL, der diese Lücke füllt und als Titelgeschichte einen Rückblick auf die zu Ende gehende Dekade wagt, der zu einem vernichtenden Gesamturteil kommt: Das verlorene Jahrzehnt.

Vier Krisen werden zur Stützung dieser These angeführt: Die 9/11-Krise samt aller Kriegs- und Sicherheitsfolgen, die Finanzkrise, die Klimakrise und die Demokratiekrise. Nur das, was er die Internet-Euphorie nennt, gibt dem SPIEGEL Anlass zu gewissen Hoffnungen.

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2. Es geht um Bewusstseinswandel

Vor vierzig Jahren bewirkten die ersten von den Mond-Astronauten aufgenommenen Bilder des verletzlichen blauen Planeten das starke Gefühl, auf einem zusammengehörigen Globus zu leben, und liessen damit durch den Blick von aussen erstmals so etwas wie ein globales Bewusstsein aufblühen. Im letzten Jahrzehnt erlebten die meisten Menschen wegen der genannten Krisen, die alle globale Auswirkungen hatten, aber auch dank des Internets aus der Innenschau, was es heisst, vernetzter Teil der einen Erde zu sein.

Und dabei entwickelte sich eine Ahnung davon, was die neuen Möglichkeiten des Austauschs von Informationen, Erfahrungen und Wissen sowie der Organisation gemeinsamen Handelns für unser Bewusstsein dessen bedeutet, wer wir sind und wohin wir wollen. Und davon, dass es nicht ohne einen fundamentalen Wandel eben dieses unseres Bewusstseins abgehen wird.

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3. Materialismus ist am Ende

Natürlich war die Finanzkrise auch eine Folge davon, dass es für Anlagen zu wenig Vorschriften gab – oder die falschen oder zu wenig kontrollierte. Und zugleich war sie auch eine Krise der Werte. Was die sich gegen die schon wieder unanständig hohen Banken-Boni empörende Volksseele durchaus richtig wahrnimmt: Wenn so genannte Spitzenkräfte sich erst ab etlichen Millionen dazu herablassen, überhaupt etwas zu tun, dann stimmt mit deren Werten definitiv etwas nicht.

Nachdenklicheren Zeitgenossen ist schon im Laufe der nuller Jahre aufgefallen, dass es sich bei dieser Gier ganz oben nur um die Spitze des berüchtigten Eisbergs handeln könnte, der wiederum Symbol für eine tatsächlich eiskalte und erstarrte Welt ist, in der nur was läuft, wo Kohle lockt. Was wiederum nur funktionieren kann, weil materielle Werte zur wichtigsten Richtschnur unseres Tuns und Lassens geworden sind.

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4. Defensive führt in die Irre

Wie auch immer sie dahin gekommen sind: Tief in unseren Knochen steckt die Erfahrung unserer fernen Vorfahren, die im Dschungel überleben mussten. Dort herrscht ein gegenseitiges Hauen und Stechen, und am meisten Angst hat man vor dem, der am lautesten brüllt. Und so gehorchen wir ängstlich zunächst der Stimme, die uns zubrüllt: »Schufte! Sonst musst du deinen Lebensstandard abbauen!« Und dann der nächsten: »Kaufe! Sonst könnte man meinen, du müsstest deinen Lebensstandard abbauen!«

Und so füttern wir aus Angst oder blosser Gewohnheit den Materieumwälzenden Löwen weiter und weiter und merken nicht, dass er längst versteinert ist. Einst bis in gar nicht ferne Zeiten war die Energie dieses Löwens ein wunderbarer Antrieb, um auf der materiellen Ebene zu überleben und es etwas bequemer zu haben. Doch im ängstlichen Festklammern an dem, was wir besitzen, erstarrt diese Energie heute zur Defensive und wird unfruchtbar und destruktiv. Einfach da wieder weiter zu machen, wo wir vor der Finanzkrise waren (da war übrigens nicht lange davor schon mal eine...), kann kein Attraktor für die zehner Jahre sein.

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5. Auf der Suche nach neuen Werten

Und dieser Blick voraus auf das nächste Jahrzehnt ist es, der sich, bei aller berechtigten Trauer über das verlorene letzte, für den Zukunfts-Philosophen ziemt. Und nicht nur für den. Schliesslich können wir nicht zurück, um noch etwas zu ändern. Also abschreiben. Und neugierig voraus schauen. Wobei gerade beim Übergang zwischen zwei Jahrzehnten der Blick auf das kommende unvermeidlich von wallenden Nebeln etwas verhüllt ist. Echte Prognosen kann es schon deshalb nicht geben, weil wir die Zukunft laufend verändern.

Was wir uns auch dringend verordnen sollten. Allzu offensichtlich läuft der Karren mehrgleisig in eine falsche Richtung. Weniger offensichtlich ist, wohin die Reise stattdessen gehen soll. Wonach und woran sollen wir uns in dieser nächsten Dekade orientieren? Gibt es verbindende und verbindliche Werte jenseits des schnöden und öden Mammons?

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6. Ordnung aus dem Chaos

Verloren und einsam fühlen wir uns in den unendlichen Weiten der Werte-Meere. Zurück zu den Zeiten, in denen den Menschen die herrschenden Werte glasklar vermittelt und notfalls auch handfest eingebläut wurden, wollen und können wir nicht. So bleibt es wohl oder übel an uns selbst hängen, welche Werte uns wie viel wert sind. Wohl, weil es kaum einen zentraleren Raum für unsere individuelle Freiheit gibt als Selbstbestimmung über unsere eigenen Werte, und übel, weil auch im Angebot an Werten, aus denen wir auswählen können und müssen, die neue Unübersichtlichkeit ausgebrochen ist.

Doch Raben sind bekanntlich kluge Knaben, und auch dem Menschen ist eine gewisse Intelligenz nicht gänzlich abzusprechen. So könnten wir aus Erfahrung durchaus dergestalt klug geworden sein, dass wir um die Unvermeidbarkeit solcher Empfindungen von Verwirrung und Chaos in Phasen des Übergangs wissen. Und darauf vertrauen können, dass aus dem Chaos eine neue Ordnung wachsen wird. Zum Beispiel so etwas wie ein neuer Leit-Wert, der an die Stelle von Lebensstandard rücken wird.

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7. Die das Gras wachsen hören

Sechs Gänse wühlen unverdrossen nach immer noch mehr zum Futtern. Die siebte hat ihr Haupt erhoben und blickt in eine andere Richtung. Weil sie sich im Bild-Hintergrund aufhält und erst noch leicht angeschnitten wurde, wird sie kaum wahrgenommen. So ungefähr präsentiert sich aufgrund vieler Befragungen und Studien das Verhältnis zwischen jenen, in deren Bewusstsein noch immer jene Werte dominieren, die um Lebensstandard kreisen, und jener Minderheit in der Bevölkerung, deren Werte sich um den Leit-Wert Lebensqualität drehen. Eine oft übersehene, aber sehr wohl existierende Minderheit mit grossem Wachstums-Potenzial.

Diese kleine, aber feine Minderheit ist gerade dabei, das Potenzial des Leit-Werts Lebensqualität zu entdecken. Sie erkundet die einzelnen Sphären von Lebensqualität, als da sind: Materie (ja, die auch). Gesundheit. Tun. Beziehungen. Raum. Zeit. Sinn. Stabilität. Eigenes. Lebensfreude. Reifung. Echtheit. Offenheit. Respekt. Nachhaltigkeit. Lebens-Kunst. Und findet dabei heraus, um wie viel vielschichtiger und facettenreicher der Leit-Wert Lebensqualität sein kann als der eindimensionale und damit langweilige alte Leit-Wert Lebensstandard.

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8. Neues Denken ist gefragt

Die gute alte Tonbandkassette hat nur als Fossil überlebt. Das zu ihrem Funktionieren notwendige Betriebssystem ist veraltet und steht kaum noch zur Verfügung. Ein Problem, das wir vom Computer her umgekehrt kennen: Neue Programme laufen auf einem veralteten Betriebsystem nicht. Es wäre also schon einen schüchternen Gedanken wert, zeitgleich mit der Installation des neuen Programms in Form des Leit-Werts Lebensqualität auch das alte Betriebssystem durch ein zukunftsgerichteteres zu ersetzen.

Was im Klartext eine Generalrevision unseres Denkens bedeutet. Wenn wir im nächsten Jahrzehnt die Krisen meistern wollen, die sich ja nicht in Luft auflösen werden, bloss weil das letzte vorbei ist, dann muss unser Denken offener werden, flexibler, komplexer, langfristiger, nachhaltiger, vernetzter, aber auch widerspruchstoleranter, eigenständiger, ja eigensinniger. Und, um uns nicht übermütig werden zu lassen, gilt es auch noch, unsere Wahrnehmungen, Gefühle und schöpferischen Antriebe in dieses neue Denken zu integrieren. Das ist die wahre Herausforderung des vor uns liegenden Bewusstseinswandels. Diesem unserem neuen Denken wird die Erkenntnis, es gehe im Leben nicht um Lebensstandard, sondern um Lebensqualität, von selbst als reife Frucht in den Schoss fallen.

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9. Vertrauensvorschuss

Kinder sind nicht zuletzt deshalb so lernfähig, weil sie nicht an ihrer eigenen Lernfähigkeit zweifeln – und weil sie nicht alles gar so ernst nehmen. Beides können wir mehr oder weniger Erwachsenen und Reifenden von ihnen beim Blick auf das nächste Jahrzehnt lernen. Wir sind lern- und damit wandlungsfähig, als einzelnes individuelles Bewusstsein ebenso wie als kollektives. Das mag sich nach kindlichem Vertrauen in die Zukunft anhören und ist es das vermutlich auch. Doch ohne diesen nur durch einige Zeichen der Hoffnung gedeckten Vertrauensvorschuss in die Zukunft wäre diese ärmer.

Überhaupt wird Vertrauen ein Schlüsselbegriff dieser nächsten Dekade werden. Wir werden viel Vertrauen brauchen, um mit der zunehmenden Komplexität unseres Lebens und der Welt umgehen zu können. Wenn wir zum Beispiel anfangen, ernsthaft darüber nachzudenken, welcher Lebensstil uns wirklich nachhaltige Lebensqualität bescheren könnte, dann stossen wir schnell an unsere Grenzen: Zu unübersichtlich ist die Zahl der dabei wirksamen Faktoren, zu komplex deren Zusammenspiel, zu gross die Widersprüchlichkeit unserer Werte und Ziele. Wenn wir dabei den richtigen Weg finden wollen, der legitime eigene Ansprüche und die Interessen der anderen und der Zukunft vereint, hilft nur Vertrauen. Vertrauen in unsere eigene intuitive Entscheidungsfähigkeit, und Vertrauen in andere Menschen und Netzwerke.

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10. Ansteckungspotenzial

Zu Hoffnung für das neue Jahrzehnt Anlass geben all die Menschen, bei denen der Bewusstseinswandel längst begonnen hat. Sie entdecken und pflegen die reichhaltigen Facetten von Lebensqualität – ihrer eigenen ebenso wie der der anderen. Und sie bauen still und leise ihr Denken um, wohl wissend, dass dies wesentlich länger dauern wird als jeder noch so nervender Wechsel eines PC-Betriebssystems. Sie vertrauen dabei auf sich selbst, auf ihre Beziehungen und Netzwerke, und nicht zuletzt auf so etwas wie eine höhere Macht oder einen tieferen Sinn. Was es ihnen auch erlaubt, manchmal mit einem Lächeln oder gar Lachen darüber hinweg zu sehen, dass nicht alles so läuft, und schon gar nicht so schnell, wie sie sich das erträumen.

Noch sind sie nicht allzu viele und leicht zu übersehen. Doch ihr Ansteckungspotenzial ist beträchtlich, auch wegen der dank Internet sich ausbreitenden Bildung von Gruppen und Grüppchen und Netzwerken. Zudem geht es beim Bewusstseinswandel nicht um Masse, sondern um Klasse. Vernunft, Augenmass, Intelligenz, die Kraft der besseren Argumente und so etwas wie die evolutionäre Logik setzen sich auf Dauer immer durch. Qualität ist letztlich überzeugender als Quantität. Na ja, wirklich nur auf Dauer und letztlich. Und manchmal auf die ziemlich harte Tour. Und nie bei allen, siehe die NINGHB (noch immer nix gelernt habenden banker). Doch ein ganzes Jahrzehnt gibt dem Bewusstseinswandel viel Raum sich zu entfalten. Das wird er auch tun – wenn wir ihn dabei nach Kräften unterstützen...

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Texte, Bilder und Cover-Collage: Andreas Giger, Dezember 2009

 

 

Impulse:

Ein ganz ähnliches Thema wie der Artikel in der Hauptspalte behandelt in locker-humorvoller Art dieser Beitrag. Er wurde mit freundlicher Genehmgung dem Newsletter der Streitschule entnommen.

Neue globale Epidemie im Anrollen!!

Der nächste Erreger breitet sich unaufhaltsam und mit rasender Geschwindigkeit aus

Die WHO rechnet damit, dass sich in den nächsten zehn Jahren Milliarden Menschen über alle Grenzen hinweg infizieren werden.

Zur Orientierung: Die wichtigsten Symptome:

1 – Ein spontan nachlassendes Interesse daran, Urteile über sich und andere zu fällen oder sich mit etwas zu beschäftigen, das Konflikte verschärfen könnte.

2 – Eine plötzlich auftretende Neigung, sich von persönlicher Kraft und Einsicht in das eigene Haus leiten zu lassen. Zugleich oft krankhaftes Bemühen, die Sichtweise anderer zu respektieren.

3 – Die jähe Weigerung, neuen Situationen aus alten Ängsten, aufgezwungenen Ideen oder konditioniertem Verhalten heraus zu begegnen.

4 – Ein kontinuierlicher Verlust der Fähigkeit, sich Sorgen zu machen (eines der schwerwiegendsten Symptome!).

5 – Ein konstantes Wertschätzen von Menschen und Dingen so wie sie sind  (tritt auch häufig als verräterische Unwilligkeit auf, die Mitmenschen verändern zu wollen).

6 -  Das auffällige Bestreben, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und Worten positiven Einfluss zu nehmen. (Achtung: sehr starke Auswirkungen auf die Lebensqualität!)

7 – Rezidivierende Schübe von gelassener Heiterkeit.

8 – Die Fähigkeit, alleine, als Paar, in einer Familie und Gemeinschaft auf eine flotte und gleichberechtigte Art zu leben und zu kommunizieren, ohne Opfer, TäterIn oder RetterIn spielen zu wollen.

9 – Ein Gefühl von Verantwortlichkeit und Glückseligkeit, dass man der Welt seine Träume von einer harmonischen und friedlichen Zukunft und einer Welt im Überfluss schenken will.

10 – Leise Anfälle von völliger Akzeptanz dessen, dass die Welt so schön ist, eben WEIL die Menschen so unterschiedlich sind.

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Warnung: Die Glückskrankheit ist äußerst ansteckend.

Falls sich bei Ihnen schon erste Symptome zeigen, müssen Sie wissen, dass Ihr Zustand wahrscheinlich hoffnungslos ist. 

Medizinische Behandlungen können für kurze Zeit einzelneSymptome unterdrücken, aber das unausweichliche Fortschreiten der Krankheit kann nicht aufgehalten werden.

Es gibt nämlich keine Impfung gegen Glück.

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Cover "Das Jahrzehnt des Bewusstseinswandels"