Neue Werte-Kolumne

Auf der ungefähr alle drei Wochen erscheinenden Spezialseite der Appenzeller Zeitung namens "spirit", auf der kürzlich auch die Stiftung spirit.ch vorgestellt wurde, erscheint im Jahr 2012 jedes Mal eine Werte-Kolumne aus der Feder von spirit-ch-Mitbegründer Andreas Giger. Die Serie startete am 14. Januar 2012 mit diesem Beitrag.(Weitere Kolumnen siehe unten)

Wertvolle Werte...
Von Werten reden viele, doch längst nicht alle meinen damit dasselbe. Das Spektrum der Bedeutungen von „Wert“ reicht dabei von ethischen Grundsätzen (z.B. „christliche Werte“) bis hin zu rein materiellen Werten, wie sie etwa im „Wertpapier“ zum Ausdruck kommen. Eine Kolumne über solche „Wert-Anlagen“ hätte auf der Seite „spirit“ natürlich nichts zu suchen...
Man kann Werte jedoch auch ganz einfach und pragmatisch als das definieren, was uns etwas wert ist. Werte drücken dann das aus, was uns wichtig ist im Leben, wonach wir streben, woran wir uns orientieren. Werte beeinflussen unser Handeln – nicht allein natürlich, aber ganz wesentlich.
Damit sind Werte ein zentrales Element dessen, was wir im umfassenden Sinn „Bewusstsein“ nennen. Dazu gehören unsere Wahrnehmungen und Empfindungen, unser Denken und Fühlen auf „bewusster“ wie auf „unbewusster“ Ebene, und zwar nicht nur innerhalb der Grenzen unseres hautverkapselten Egos, sondern immer auch in Verbindung zur uns umgebenden Welt.
Das schöne Wort „Geist“ drückt, wenn man es nicht auf logisches Denken beschränkt, Ähnliches aus wie „Bewusstsein“; und noch besser passt zu diesem umfassenden Verständnis unseres Innenlebens das englische Wort „spirit“. Denn „spirit“ meint eben keineswegs nur das Spirituelle, sondern hat ein breites Spektrum von Bedeutungen, vom Heiligen Geist bis hin zu geistigen Getränken.
In einem solchen Verständnis von „spirit“ nehmen Werte einen zentralen Platz ein. Sie geben uns nicht nur Orientierung (Wohin gehe ich? In Richtung meiner Werte!), sondern auch Identität (Wer bin ich? Die Summe meiner Werte!) und Sinn (Wozu bin ich da? Um meine Werte zu leben!).
Anders als früher können (und müssen) wir unsere Werte heut zu Tage frei wählen. Von der richtigen Wahl unserer Werte hängt es entscheidend ab, ob wir ein geglücktes Leben führen. Es lohnt sich deshalb, immer mal wieder inne zu halten und über die eigenen Werte nachzudenken. Impulse dafür will diese Kolumne regelmässig anbieten.
Kolumne 2, 4. Februar 2012:
»Respekt, Respekt!« sagen wir, wenn wir ob der Leistung eines Anderen anerkennend den Hut ziehen und ihm so unsere Wertschätzung ausdrücken. Womit wir einem weiteren Geheimnis der Werte auf die Spur gekommen sind: Werte leiten nicht nur unser persönliches Verhalten an, sie bestimmen vielmehr ganz wesentlich auch unser Miteinander, im kleinen Kreis der Familie ebenso wie im grossen eines Landes.
Ein guter Team-Spirit etwa beruht immer auf geteilten Werten, und wie es sich in einem Land lebt, hängt stark davon ab, welche Werte dort vorherrschen. Besonders gut lebt es sich sicher in einer Gemeinschaft, die auf gegenseitigem Respekt basiert.
Respektvolles Miteinander bedeutet dreierlei: Zunächst heisst Respekt Begegnung und Dialog auf gleicher Augenhöhe. Keiner der Beteiligten ist von vornherein besser oder schlechter, niemand ist mehr oder weniger wert als der Andere. Die beteiligten Partner sind nicht gleich, aber gleichwertig.
Zum zweiten gehört zu respektvollem Miteinander die Bereitschaft, sein Gegenüber wahrzunehmen und ihm zuzuhören. Jemandem sein Ohr leihen kann man nur in der Überzeugung, auch er hätte etwas zu sagen. Und zwar etwas, das nicht sofort als überflüssig, dumm oder gar vaterlandsverräterisch abgestempelt wird.
Zum dritten heisst Respekt: Die Beteiligten gestehen sich gegenseitig zu und vertrauen darauf, dass alle Argumente und Interessen einen wertvollen Beitrag an das Ganze leisten können. Dieses Ganze ist ja immer ein hoch komplexes System aus vielfältigen Beziehungen und Zusammenhängen. Mit einer einseitigen Betrachtungsweise wird man einem komplexen Ganzen nie gerecht, und wenn man darin zu stark auf einseitige Interessen setzt, gefährdet man Fortbestand und Weiterentwicklung des Ganzen.
Respektvolles Miteinander erfordert ein hohes Mass an Reife. Doch weil das Leben in einer Welt gegenseitigen Respekts sehr viel angenehmer und schöner ist als in einer Welt, die von Intoleranz, Überheblichkeit und Ausgrenzung geprägt ist, lohnen sich die Anstrengungen dieses Reifungsprozesses.
Man muss den Standpunkt des Anderen nicht teilen oder übernehmen und kann trotzdem anerkennen, dass dieser andere Standpunkt so legitim und so wertvoll für das Ganze sein kann wie der eigene. Dialog, Austausch und die Suche nach gemeinsamen Lösungen sind somit kein Ausdruck von Schwäche, sondern zeugen im Gegenteil von reifer Stärke. Wozu man wiederum nur sagen kann: Respekt, Respekt!
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