Aller guten Dinge sind drei

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MarinaBaySands

Nachhaltige Lebensqualität in Städten

Singapur war letzte Woche Gastgeber von drei Konferenzen rund um die Themenbereiche Wasser- & Abwassermanagement, Abfallmanagement & Recycling und intelligente Lösungen für Städte. Alles Themen also, die unmittelbar mit der Lebensqualität verknüpft sind, weshalb wir an dieser Stelle auch einmal über einen Kongress berichten.

Gleich drei grosse Konferenzen fanden letzte Woche vom 10. - 15. Juli 2016 im Sands Expo & Convention Center in den Marina Bay Sands in Singapur statt. Die 7. "Singapore International Water Week", der 5. "World Cities Summit" und der 3. "Clean Enviro Summit Singapore" wurden gleichzeitig auf 5 Stockwerken des modernen Kongresszentrums gleich neben den utopisch anmutenden "Gardens by the bay" durchgeführt. Die Veranstaltungen zogen insgesamt 2100 Besucher aus über 130 Ländern an und zählen damit in den jeweiligen Themenbereichen zu den grössten Kongressen der Welt.

Die gleichzeitig stattfindende Expo wurde von mehr als 1000 teilnehmenden Unternehmen, von globalen Branchenführern aber auch Start-ups in den Bereichen Stadtentwicklung, Wasser-, Abfall- und Reinigungsmanagement zur Präsentation Ihrer Angebote genutzt.

Der Präsident von Singapur, Dr. Tony Tan, nutzte die Eröffnungsfeier, um die Veröffentlichung des Klima-Aktionsplanes anzukündigen. Singapur plant seine CO2 Emissionen bis 2030 um 36% zu senken. Mit Investitionen in zusätzliche Wasseraufbereitungs- und Meerwasserentsalzungs-Anlagen soll der Anteil an der Eigenversorgung mit Wasser von heute 50% auf 85% im Jahr 2060 gesteigert werden. Zudem soll die Widerstandsfähigkeit gegen Naturkatastrophen und dem Klimawandel entscheidend gestärkt werden.

Gardens-by-the-Bay
Blick auf die "Gardens by the Bay" mit den sogenannten "Super-Trees"

Singapore International Water Week SIWW

Die internationale Wasserwoche fokussierte innovative Lösungen im Bereich Wasser- und Abwassermanagement für Kommunen und die Industrie. Äusserst interessant war hier die Vorstellung der Phase 2 des "Deep Tunnel Sewerage System DTTS" von Singapur, in der 48km Haupt-Kanalisation mit 50km Zubringer-Kanalisation zu einer neuen Kläranlage geführt werden, die von Beginn weg kombiniert wird mit der grössten Kehrichtverbrennungsanlage der Welt. Die daraus entstehenden Synergien sind vielfältig und diese Anlage ist weltweit die erste, die von Beginn weg so geplant wird. Die Planung ist abgeschlossen und die Fertigstellung soll bis 2025 erfolgen.

Im "Smart Water Forum" wurden diverse intelligente Wassermanagement-Lösungen in den Bereichen Wasserbewirtschaftung und -aufbereitung, Netzwerk-Verteilung und Internet-Sicherheit präsentiert.

Am ersten Tag wurde der "Lee Kuan Yew Water Prize", benannt nach dem ersten Premier-Minister von Singapur, vergeben. Professor John Anthony Cherry wurde für seine wichtigen und umfassenden Erkenntnisse in der Grundwasser-Forschung ausgezeichnet, speziell für deren Wirkung in verschiedenen Gegenden mit Grundwasser-Kontaminierung rund um die Welt.

Zwei interessante «Site Visits» führten zur grössten Meerwasser-Entsalzungsanlage Asiens, die 25% des Wassers für Singapur aufbereitet, zu einer Wassermanagement-Forschungsstation, zum Cleantech-Park Singapurs sowie zum ersten, bereits existierenden Teil des "Deep Tunnel Sewerage System (DTSS) " mit der riesigen Wasseraufbereitungsanlage am Changi Airport.

Entsalzungsanlage
Die grösste Meerwasser-Entsalzungsanlage Asiens

World Cities Summit Singapore WCS

Das Treffen der Welt-Städte präsentierte ganzheitliche urbane Lösungen für nachhaltige und lebenswerte Städte wie ressourcensparende Mobilitätslösungen intelligente Stadtmanagement-Software, langfristige orientierte Stadtentwicklungsszenarien, überzeugende "Resilience"-Strategien und interessente Angebote für Investoren. Auch sanftere Faktoren, z.B. wie soziale Innovationen und wie die Pflege des Kulturerbes in die Stadtplanung einbezogen werden können, waren vieldiskutierte Themen am Kongress.

Stadtpräsidenten und Führungspersonen von 103 Städten aus 63 verschiedenen Ländern nahmen an dem Treffen teil und am "World Cities Summit Mayors Forum" konnten 300 TeilnehmerInnen begrüsst werden.

Ein ganzer Tag war dem Thema "Innovations for a Smart City" gewidmet. Ein Highlight war das Ausstellungs-Pavillon “Towards a Smart and Sustainable Singapore”, indem Projekte aus der Zusammenarbeit von 16 Regierungsbehörden vorgestellt wurden. Einer der Showcases war “CityScope” – ein interaktives Echtzeit-Planungswerkzeug, das “Augmented reality” und Lego-artige Bausteine nutzt, um Stadtumgebungen für Testzwecke zu simulieren.

Auch hier wurde ein Preis, der "Lee Kuan Yew City Prize" vergeben. Der Haupt-Preis ging an Medellín in Kolumbien für die enorme Steigerung der Lebensqualität in der ehemals gefährlichsten Stadt der Welt, die heute nicht mal mehr unter den 50 gefährlichsten Städten figuriert. In den letzten 20 Jahren konnte die Zahl der Morde um über 90% gesenkt werden.

Der dafür verantwortliche 10 Punkte-Plan umfasste die Erstellung von neuen Tram-Linien, ein Netz von Fahrrad-Wegen, die Schaffung neuer Fussgängerzonen, eine Stadtseilbahn und Roll-Treppen für die hügeligen Stadtteile, Gärten zur Begrenzung der Stadtausdehnung sowie den Bau von neuen Bildungseinrichtungen. Der Fluss durch die Stadt wurde gesäubert und bildet heute die "Seele" der Stadt, neue Treffpunkte für die Gemeinschaft und attraktive Veranstaltungsorte wurden geschaffen und die Arbeitslosenquote konnte von 17% auf 10% gesenkt werden.

Die "World City Special Mentions" gingen 2016 an vier Städte. Auckland erhielt den Preis für soziale Integrationsprogramme der Maori sowie für Exzellenz in der Stadtplanung unter anderem durch den "Auckland Plan" und diverse Design-Projekte. Der engagierte Bürgermeister Len Brown nahm gemeinsam mit den Maori den Preis mit einer sympathischen Gesangseinlage entgegen. Sydney konnte den Preis für die Langzeitplanung unter anderem durch ein "Public Space" Studie und die Strategie "Sustainable Sydney 2030" sowie für diverse Umwelt- und Designprojekte entgegennehmen.

SingapurPreis
Die Preisverleihung im Ritz Carlton Millenia

Toronto konnte den Preis für Exzellenz in der Stadtplanung für das erfolgreiche umgesetzte Konzept des verdichteten Bauens und der Neugestaltung der "Waterfront" sowie für soziale Integrationsprojekte für Immigranten und für intensive BürgerInnen-Beteiligung entgegennehmen. Und Wien schlussendlich erhielt den Preis für Verantwortungsübernahme im Umweltschutz durch die Bewahrung von über 50% des kommunalen Landes als Grünflächen und die Schaffung der Donauinsel für den Schutz vor Überschwemmungen und als grosser öffentlich zugänglicher Naherholungsraum sowie für die Erhaltung des grossen kulturellen Erbes.

Im Angebot dieser Veranstaltung waren gleich zehn verschiedene "Site Visits", bei denen man die Gelegenheit hatte die verschiedenen Stadtentwicklungs- und Nachhaltigkeitsprojekte unter fachkundiger Begleitung vor Ort zu besuchen. So standen interessante Besuche auf dem Programm, wie beispielsweise der innovativen "Gardens by the bay" mit Ihren multifunktionalen "Super-Bäumen" und den nachhaltigsten Gewächshäusern der Welt, der "Marina Barrage" mit den riesigen Schleusen, die die Marina Bay zu einem riesigen Süsswasser-Reservoir machen und gleichzeitig die Bedrohungen von der Meeresseite fernhalten, dem botanischen Garten Singapurs mit der Vorstellung des zukunftsorientierten Konzeptes "a city in a garden" oder der Besuch eines höchstautomatisierten Krankenhauses und einer nach allen Nachhaltigkeitskriterien renovierten Altbausiedlung.

DreiMessen
Drei Messen ein Ziel: Nachhaltige Lebensqualität in Städten

Clean Enviro Summit Singapore CESS

Der CESS fokussierte technische Lösungen und innovative Dienstleistungen im Bereich Reinigungs- und Abfallmanagement sowie Recycling. Dabei standen Themen wie die Kreislaufwirtschaft, intelligente Abfallsammel-Systeme, die Sensibilisierung und der Einbezug der BürgerInnen, die Zusammenarbeit mit der Verpackungsindustrie und die Förderung der Sharing Economy im Zentrum. Weitere wichtige Themen waren das "Internet of things", automatisierte Gebäudemanagement-Systeme sowie Roboter- und Informatik gestützte Reinigungslösungen.

Immer wieder wurde betont, dass der Begriff "Abfall" eigentlich durch den Begriff "Ressourcen" ersetzt werden sollte, um diesem ein positives Image zu geben. Auch das Reinigungspersonal war ein grosses Thema, denn in allen Städten ist es schwierig, gutes Personal zu finden. Weiterbildungen, Qualifizierungssysteme sowie die Sichtbarkeit und die persönlichen Begegnungen mit dem Reinigungspersonal wurden als fördernde Faktoren diskutiert.

Ein weiteres Thema war die Unterstützung von Freiwilligen-Gruppen in der Abfallsammlung wie zum Beispiel die "Greenbirds" in Japan, die 2002 gegründet wurden und heute in 78 Teams mit rund 30'000 Personen jährlich aktiv sind. Für einen Strandreinigungstag konnten letztes Jahr sogar 130'000 Menschen gewonnen werden.

ConventionCentre
Auch das Kongresszentrum verpflichtet sich der Nachhaltigkeit

Auch an dieser Veranstaltung wurden drei "Site Visits" angeboten. So konnten am letzten Tag die grösste Müllverbrennungsanlage Singapurs, die riesige Semakau-Abfalldeponie und die "REMEX Minerals Singapore" - eine innovative Metall-Rückgewinnungsanlage besucht werden.

Zurück bleibt das Gefühl trotz der Teilnahme an fünf höchst spannenden Tagen nur einen kleinen Teil all der Angebote gesehen und erfahren zu haben sowie der Eindruck in einer höchst innovativen und zukunftsorientierten Stadt zu Gast gewesen zu sein.

 

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