Lebensqualitäts-Index

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

alt

Hier geht es um das Auf und Ab des Lebensqualitäts-Index (Update 6. März 2015)

Entwickelt sich die Zufriedenheit mit der eigenen Lebensqualität? Oder bleibt alles beim Alten?

Lebensqualität kann man nicht messen. Wohl aber die Zufriedenheit mit der eigenen Lebensqualität. Zufriedenheit ist immer der Abstand zwischen Erwartung und Erfüllung. In der Wahl unseres Erwartungshorizontes sind wir frei, was in der Formulierung der entsprechenden Frage ausgedrückt wird:

Wenn Sie einmal die höchste Lebensqualität, die Sie für sich denken können, mit dem Wert 100 beziffern: Wie hoch ist dann Ihre derzeitige allgemeine Lebensqualität (als Ganzes, nicht auf den jetzigen Augenblick beschränkt...). Ihre tatsächlich empfundene Lebensqualität können Sie mit einer Zahl zwischen 1 und 100 ausdrücken.

Und weil von heute aus gesehen auch die vergangene und zukünftige Entwicklung dieses Lebensqualitäts-Index interessiert, wird nachgefragt:

Welchen Wert hätten Sie vor fünf bzw. zehn Jahren gewählt? Und welchen Wert werden Sie wohl in fünf bzw. zehn Jahren wählen?

Hier die Ergebnisse nach den ersten 400 Antworten der Basisbefragung von spirit.ch:

lq-index.400

Der heutige Lebensqualitäts-Index liegt aktuell bei einem Durchschnittswert von 77 Punkten auf der Hunderter-Skala. Dieser Durchschnittswert ist nicht nur bei den Befragungen von spirit.ch erstaunlich konstant, sondern auch bei vergleichbaren Umfragen auch der repräsentativen Art – selbst wenn man nicht nach Lebensqualität fragt, sondern nach Zufriedenheit oder Glück. Immer ergibt sich ein Durchschnitt von etwa drei Vierteln des erreichbaren Maximums. Das passt zu Forschungsergebnissen, wonach es sich bei der Fähigkeit zu Zufriedenheit um ein angeborenes oder jedenfalls früh erworbenes und damit kaum veränderbares Merkmal der individuellen Persönlichkeit handelt. Demnach bliebe die Verteilung von Zufriedenen und Unzufriedenen immer etwa gleich und würde sich bei einem Mittelwert in den genannten Dimensionen einpendeln. Wobei anzumerken ist, dass drei Viertel des erreichbaren Maximums schon eine ganze Menge sind und jedenfalls deutlich mehr als das berühmte halbvolle Glas. Kurzum: Wir sind im Schnitt ganz zufrieden mit unserer Lebensqualität.

Das liegt sicher auch daran, dass wir beim Rückblick auf unser letztes Lebensjahrzehnt eine deutliche Verbesserung unserer Lebensqualität konstatieren können. Die Zunahme im Vergleich zwischen vor zehn Jahren und heute beträgt im Schnitt satte zwölf Punkte, jene im Vergleich mit vor fünf Jahren immerhin noch acht Punkte. Wo eine so markante Verbesserung stattgefunden hat, gibt es natürlich allen Grund zur Zufriedenheit.

Allerdings sehen wir (immer im Durchschnitt) für das nächste Jahrzehnt keine so markante Steigerung unseres Lebensqualitäts-Index mehr voraus. Dieser Index wird gemäss der Durchschnitts-Prognose bis in fünf Jahren noch um vier Punkte steigen, dann allerdings eher leicht fallen. Immerhin zeigen diese Zahlen, dass wir unsere Lebensqualität nicht nur als verbesserungsfähig erleben, sondern auch für die Zukunft noch Steigerungspotenziale sehen. Was Lebensqualität als Leitwert natürlich umso attraktiver macht.


Unterschiedliche Verlaufskurven

Gibt es bei dieser Verlaufskurve des Lebensqualitäts-Index Unterschiede nach Geschlecht, Alter oder Wohnland der Antwortenden? Hier die entsprechenden Auswertungen:

lqixsex

Während Frauen und Männer aktuell einen fast identischen Lebensqualitäts-Index aufweisen, unterscheidet sich ihre Erinnerung dich deutlich - Frauen stellen einen stärkeren Anstieg fest als Männer. Offenbar nehmen Frauen Veränderungen in ihrer Lebensqualität etwas sensibler wahr, was Ausdruck ihrer generell etwas grösseren Sensibilität für das Thema Lebensqualität ist.

 

lqixalter

 

Auch zwischen den Altersgruppen gibt es deutliche Unterschiede:

- Bei den unter 35-Jährigen verläuft die Kurve der letzten Jahre völlig flach, das heisst, diese Altersgruppe stellt in ihrer eigenen Biografie bisher keine Verbesserung der Lebensqualität fest. Umso markanter ist der Optimismus dieser Generation für das nächste Jahrzehnt. Bis in zehn Jahren wird eine Steigerung des Index um nicht weniger als elf Punkte erwartet.

- Die Kurven der beiden Altersgruppen 35 bis 49 und 50 bis 64 verlaufen sehr ähnlich: Eine markante Verbesserung in den letzten zehn Jahren wird ergänzt durch eine moderat optimistische Zukunftserwartung, wonach die Lebensqualität weiter steigen wird, wenn auch weniger steil als in der Vergangenheit. Die Gruppe jenseits der fünfzig ist dabei etwas weniger optimistisch, vor allem, was den längeren Prognosezeitraum (in zehn Jahren) betrifft.

- Noch einmal anders verläuft die Kurve der Altersgruppe 65plus. Hier wird im letzten Jahrzehnt eine moderatere Verbesserung der eigenen Lebensqualität wahrgenommen als bei den mittleren Altersgruppen, was daran liegt, dass die Ältesten von einem höheren Niveau aus gestartet sind. Jetzt allerdings ist in der eigenen Wahrnehmung der Höhepunkt erreicht. In den nächsten fünf Jahren geht es demnach leicht bergab, danach ziemlich steil.

Wenn wir berücksichtigen, dass das Durchschnittsalter der Gruppe 65plus bei 72 Jahren liegt, können wir davon ausgehen, dass der Höhepunkt des Lebensqualitäts-Index etwa in diesem Alter wahrgenommen wird, während es danach (gemäss den eigenen Erwartungen) eher wieder runter geht. Das ist immerhin ein gewaltiger Fortschritt gegenüber der früheren Annahme, jenseits der fünfzig ginge es nur noch bergab. Und zeigt klar und deutlich, dass die Idee einer Reifen Lebensqualität auf höchstem Niveau alles andere als ein Hirngespinst ist.

lqixland

Siebzig Prozent der Antwortenden beim Lebensqualitäts-Basis-Fragenspiel leben hauptsächlich in der Schweiz, der Rest stammt aus anderen Ländern, vornehmlich aus Deutschland. Die Unterschiede zwischen beiden Gruppen sind frappant: Die Kurve der SchweizerInnen verläuft moderat, jene der übrigen dramatischer. Die Nicht-Schweizer starten auf tieferem Niveau und landen dafür in der Zukunft höher - wobei sich interessanterweise auch hier die beiden Kurven in der Mitte weitgehend schneiden. Unterschiede gibt es hier wie bei den anderen Gruppenvergleichen also nur in Vergangenheit und Zukunft, nicht jedoch in der Gegenwart. 


Ein Blick zurück...

Allerdings sei darauf verwiesen, dass Durchschnittswerte, auch wenn sie sich als erstaunlich stabil erweisen, immer zusammengesetzt sind aus individuellen Werten, die ihrerseits stark vom Durchschnitt abweichen können. Auch der ruhig und glatt verlaufende Zeitvergleich kann im Einzelfall ganz anders aussehen und dramatische Kurvenverläufe aufweisen. Es gibt also in der Entwicklung des Lebensqualitäts-Index (LQI) Gewinner und Verlierer. Das lässt sich zunächst im Rückblick zeigen. Zu diesem Zweck subtrahieren wir den LQI von vor zehn Jahren vom aktuellen LQI, was ein Minus oder ein Plus ergeben kann, und bilden daraus Gruppen. Das sieht dann so aus, wobei wir gleichzeitig eine Differenzierung nach Altersgruppen vornehmen:

 

lqi-pastxalter

Wie bereits festgestellt, zeigt die durchschnittliche Entwicklung des Lebensqualitäts-Index in den letzten zehn Jahren höchstens die halbe Wahrheit. Die durchschnittliche Entwicklung, die eine deutliche Zunahme zeigt, umfasst natürlich auch Einzelfälle, in denen die Lebensqualität abgenommen hat. Tatsächlich gehören zu dieser Gruppe insgesamt 23 Prozent, wobei die Abnahme bei 9 Prozent deutlich ausfiel (11 Punkte und mehr – ein starkes Minus kam nicht vor), bei 12 Prozent eher moderat (5 bis 10 Punkte). Von Stabilität (Unterschied zwischen heute und vor zehn zwischen -2 und +4) berichten 13 Prozent der Befragten.

Doch auch unter der Mehrheit der Gewinner gibt es Unterschiede: Von einer leichten Zunahme (5 bis 10 Punkte) berichten 26 Prozent der befragten, von einer mittleren (11 bis 25 Punkte) 24%, und 16 Prozent haben sogar eine starke Zunahme von 26 und mehr Punkten erlebt.

Die subjektive Empfindung der eigenen Lebensqualität erfährt also Höhen und Tiefen. Stehen solche Auf- und Abwärts-Tendenzen im Zusammenhang mit dem eigenen Alter? Gibt es je nach Altersgruppe unterschiedliche Anteile an Verlierern und Gewinnern? Nachdem wir im letzten Abschnitt die unterschiedlichen Kurvenverläufe beim Lebensqualitäts-Index je nach Altersgruppen gesehen haben, erstaunt es wenig, dass die Antwort Ja lautet:

-     Eindeutig am meisten Verlierer gibt es bei der jüngsten Altersgruppe (unter 35). Ob dahinter eine noch nicht bewältigte Trauer über die verlorene Jugend steht, wissen wir nicht. Klar wird jedoch, dass diese Lebensphase in Sachen Lebensqualität die schwierigste ist. Die Chancen, eine sinkende Lebensqualität zu erfahren, sind hier eindeutig am grössten. Und umgekehrt ist die Chance, eine starke Verbesserung zu erleben, verschwindend gering.

-     Das ändert sich jenseits der 35 deutlich: Bei den 35 bis 49-Jährigen ist der Anteil jener, die ein starkes Plus auf ihrem Lebensqualitäts-Konto erlebt haben, am höchsten. Ob das an beruflichen Fortschritten liegt oder an der Familiengründung, wissen wir nicht. Fest steht nur, dass von der viel beschworenen Midlife-Crisis keine Rede sein kann, wenn es um die Wahrnehmung der eigenen Lebensqualität geht.

-     Die Altersgruppe 50 bis 64 wiederum weist den höchsten Anteil an Menschen auf, die insgesamt im letzten Jahrzehnt ein Plus auf ihrem Lebensqualitäts-Konto feststellen. Dieses Plus ist etwas moderater als bei der nächst jüngeren Altersgruppe, und auch die Chance, zu den Verlieren zu gehören, steigt wieder leicht an, doch insgesamt gehört auch dieses Aller zu den besten Jahren, in denen man auf Fortschritte bei der Lebensqualität zurück blicken kann.

-     Mit Einschränkungen gilt dies auch für die Gruppe 65plus. Die Fortschritte fallen noch einmal deutlich moderater aus, die Zahl der Verlierer steigt weiter leicht an. Nichtsdestotrotz hat selbst diese Altersgruppe die deutlich besseren Karten als die jüngste, wenn es darum geht, eine Verbesserung der Lebensqualität im letzten Jahrzehnt zu konstatieren.

lqi-pastxsex

Unter den Frauen gibt es klar mehr solche, die im letzten Jahrzehnt ein starkes Plus auf ihrem Lebensqualitätts-Konto erlebt haben, als unter den Männern. Ansonsten unterscheidet sich die Bilanz zwischen den Geschlechtern nur in Nuancen.

lqi-pastxland

Dasselbe gilt auch für die Unterscheidung nach Land. Unter den Antwortenden aus der Schweiz gibt es klar weniger mit einer starken Plus-Bilanz, doch insgesamt sind die Unterschiede mässig. 


... und einer voraus

Wenn es nun um die Aussichten für die Entwicklung des LQI in den nächsten zehn Jahren geht, gehen wir genau gleich vor, indem wir den aktuellen LQI vom in zehn Jahren erwarteten abziehen. Das ergibt folgende Werte:

lqi-futxalter

Auch für die Vorausschau auf die Lebensqualitäts-Entwicklung im nächsten Jahrzehnt können wir wieder voraussichtliche Gewinner und Verlierer unterscheiden. Ein starkes Minus auf dem eigenen Lebensqualitäts-Konto (20 und mehr Minuspunkte) erwartet niemand, ein deutliches (11 bis 19 Punkte ) 10 Prozent, ein leichtes Minus (4 bis 10 Punkte) weitere 13 Prozent. 23 Prozent erwarten Stabilität (-2 bis +4 Punkte).

Zu den Optimisten zählen 28 Prozent mit der Erwartung eines leichten Plus (5 bis 10 Punkte), 18 Prozent, die ein deutliches Plus (11 bis 20 Punkte), und noch 8 Prozent, die gar ein starkes Plus (21 und mehr Punkte) erwarten. Insgesamt überwiegen also auch bei den Zukunftsaussichten die Optimisten deutlich.

Allerdings ist der Blick voraus noch deutlich stärker altersabhängig als jener zurück. Der Optimismus für die Entwicklung des eigenen Lebensqualitäts-Index ist bei der jüngsten Altersgruppe massiv stärker ausgeprägt als beim Rest und dominiert das eigene Lebensgefühl.

Umgekehrt sieht es bei der ältesten Altersgruppe aus: Hier sind die Optimisten zu einer Minderheit zusammen geschmolzen, und die Pessimisten haben die Mehrheit übernommen.

Die beiden mittleren Altersgruppen (35 bis 49 sowie 50 bis 64) liegen mit ähnlichen Werten zwischen diesen Extremen. In beiden Gruppen bilden die Optimisten eine deutliche Mehrheit, wenngleich eine kleinere als in der jüngsten Altersgruppe.

Dass die Menschen jenseits der 65 von ihrer künftigen Lebensqualität nicht mehr viel erwarten, muss als Alarmzeichen gewertet werden. Ob diese gefühlte Erwartung mit den realen Tatsachen übereinstimmt, darf allerdings angezweifelt werden. Immerhin weist diese Altersgruppe bei der Frage nach dem aktuellen Lebensqualitäts-Index den höchsten Wert auf. Doch vielleicht führt gerade diese Empfindung auch zu einem Gefühl der Bedrohung: Je weiter oben man angelangt ist, desto grösser wird die Gefahr eines Absturzes. Was natürlich auch lähmen kann. Besser fährt man wohl mit der nach vorne gerichteten Perspektive, das Beste könnte ja erst noch kommen...

lqi-futxsex

Frauen sind demnach leicht optimistischer als Männer, was die Zukunft der eigenen Lebensqualität betrifft.

lqi-futxland

Ziemlich krass fällt der Ländervergleich aus: 74% Optimisten im Ausland stehen nur gerade 46% in der Schweiz gegenüber, was nicht von besonders gutem Spirit in diesem Land zeugt. spirit.ch hat also noch viel zu tun...

Machen doch auch Sie mit bei unserem Basis-Fragenspiel, das Ihnen diese und viele weitere Fragen stellt, die Sie zum Nachdenken über Ihre eigene Lebensqualität anregen sollen.

Ihre eigenen Resultate können Sie da auch ausdrucken oder per PDF exportieren, um sie mit diesen Resultaten im Bereich des Lebensqualitäts-Index sowohl als auch mit den Resultaten im Bereich der Lebensqualitäts-Profile zu vergleichen.


 

Artikel weiterempfehlen